Das Tiroler Startup Serwas verbindet zwei drängende Themen unserer Zeit: den steigenden Bedarf an Rechenleistung und die Suche nach nachhaltigen Wärmequellen. Statt Abwärme von Servern ungenutzt verpuffen zu lassen, wird sie gezielt in Heizsysteme eingespeist. Der Ansatz zeigt, wie digitale Infrastruktur zur physischen Energiequelle werden kann – effizient, lokal und nachvollziehbar.
Rechenzentren gelten als unsichtbare Rückgrate der Digitalisierung. Sie ermöglichen Streaming, Cloud-Dienste, KI-Anwendungen und moderne Unternehmenssoftware. Gleichzeitig verbrauchen sie enorme Mengen Strom – und produzieren Wärme, die in den meisten Fällen ungenutzt bleibt. Genau hier setzt Serwas an und macht aus einem systemischen Problem eine konkrete Anwendung.
Wenn Abwärme zum Problem wird
Server arbeiten rund um die Uhr. Prozessoren rechnen, Speicher greifen zu, Netzwerke übertragen Daten. Dabei entsteht kontinuierlich Wärme, die abgeführt werden muss, um die Hardware funktionsfähig zu halten. Klassische Rechenzentren investieren viel Energie in Kühlung, während Wohn- und Bürogebäude parallel fossile oder elektrische Heizsysteme nutzen. Zwei getrennte Systeme, die sich eigentlich ergänzen könnten.
Der Widerspruch ist offensichtlich: Während Städte nach nachhaltigen Heizlösungen suchen, verpufft in Serverräumen nutzbare Energie. Serwas betrachtet diese Abwärme nicht als Nebenprodukt, sondern als Ressource, die planbar, konstant und lokal verfügbar ist.
Wie Serwas Rechenleistung nutzbar macht
Das Konzept von Serwas ist technisch klar, aber in seiner Konsequenz neu gedacht. Das Unternehmen betreibt Servereinheiten dort, wo Wärme gebraucht wird – etwa in Wohnanlagen, Gewerbeimmobilien oder öffentlichen Gebäuden. Die Server erzeugen Rechenleistung für externe Kundinnen und Kunden, beispielsweise für Cloud-Services oder datenintensive Anwendungen. Die dabei entstehende Wärme wird direkt in das Heizsystem des Gebäudes eingespeist.
Konkret bedeutet das: Die Server sind in wassergekühlte Systeme integriert. Das erwärmte Wasser fließt in bestehende Heizkreisläufe oder Pufferspeicher und unterstützt Raumheizung sowie Warmwasseraufbereitung. Für die Nutzerinnen und Nutzer des Gebäudes verändert sich der Alltag kaum. Heizkörper funktionieren wie gewohnt, nur die Wärmequelle im Hintergrund ist eine andere.
Der wirtschaftliche Mechanismus ist ebenso entscheidend. Serwas verkauft die Rechenleistung, nicht die Wärme. Die Heizenergie fällt als Nebenprodukt an und kann die Heizkosten senken. Gleichzeitig wird die eingesetzte elektrische Energie doppelt genutzt: einmal für digitale Dienste, einmal für Wärme.
Grenzen, Fragen und Skalierung
So überzeugend das Modell ist, es bringt Herausforderungen mit sich. Die Wärmemenge hängt von der Auslastung der Server ab. In Zeiten geringer Rechenlast sinkt auch die verfügbare Heizleistung. Serwas begegnet dem mit hybriden Systemen, bei denen bestehende Heizlösungen als Backup dienen. Außerdem erfordert die Integration in Gebäude eine sorgfältige Planung, insbesondere bei Altbauten.
Ein weiterer Punkt ist die Akzeptanz. Rechenzentren werden oft mit Lärm, Sicherheitsbedenken oder technischer Komplexität verbunden. Serwas setzt daher auf kompakte, gekapselte Systeme, die wartungsarm sind und im Betrieb kaum wahrgenommen werden. Transparenz spielt dabei eine zentrale Rolle: Nutzer sollen verstehen, woher ihre Wärme kommt und wie sie entsteht.
Langfristig liegt die Chance in der Skalierung. Denkbar sind Quartierslösungen, bei denen mehrere Gebäude von einer verteilten Serverinfrastruktur profitieren. Auch kommunale Anwendungen, etwa in Schulen oder Verwaltungsgebäuden, sind realistische Einsatzfelder. Die Kombination aus Digitalisierung und Energiewende wird so greifbar und lokal erlebbar.
Am Ende steht eine einfache, aber weitreichende Idee: Infrastruktur muss nicht isoliert gedacht werden. Serwas zeigt, dass technologische Systeme dann besonders wirksam sind, wenn sie mehrere Bedürfnisse gleichzeitig adressieren. Wer über nachhaltige Innovationen spricht, kommt an solchen Kopplungen nicht vorbei. Sie laden dazu ein, bestehende Prozesse neu zu betrachten – und Verantwortung nicht als Verzicht, sondern als Gestaltungsraum zu verstehen.
Weiterführende Informationen finden Interessierte beim Anbieter Serwas.


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