Pro Jahr 77 kreative Ideen, die es schaffen können ...

Schlagwort: kunststoff

29/2026 Biobasierter Schaumstoff: Die nachhaltige Alternative ohne neue Produktionsanlagen

Ein neu entwickelter biobasierter Schaumstoff könnte den Umstieg auf nachhaltigere Materialien deutlich beschleunigen. Forschende des Fraunhofer-Clusters CCPE haben mit xPBS einen Schaumstoff geschaffen, der herkömmliche erdölbasierte Schäume ersetzen kann, ohne dass Unternehmen ihre Produktionsanlagen umbauen müssen. Das senkt Hürden, reduziert den CO₂-Fußabdruck und eröffnet neue Möglichkeiten für Verpackungen, Transportlösungen und Bauanwendungen.

Schaumstoffe sind aus unserem Alltag kaum wegzudenken. Sie schützen Produkte beim Transport, isolieren Gebäude und sorgen dafür, dass empfindliche Waren unbeschädigt ihr Ziel erreichen. Das Problem: Die meisten dieser Materialien basieren noch immer auf Erdöl. Angesichts steigender Anforderungen an Klimaschutz, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft wächst der Druck auf Unternehmen, nachhaltigere Alternativen zu finden. Doch neue Materialien scheitern häufig an hohen Umstellungskosten oder komplizierten Produktionsprozessen.

Eine Innovation für bestehende Produktionslinien

Genau an dieser Stelle setzt die Entwicklung des Fraunhofer Cluster of Excellence Circular Plastics Economy CCPE an. Im Projekt xPBS entstand ein biobasierter Schaumstoff auf Basis von Polybutylensuccinat, kurz PBS. Das Besondere daran ist nicht allein die Herkunft des Materials, sondern seine praktische Einsetzbarkeit in der Industrie. Der Schaumstoff wurde so entwickelt, dass er als sogenannte Drop-in-Lösung genutzt werden kann. Das bedeutet, bestehende Extrusionsanlagen können weiterhin verwendet werden, ohne dass umfangreiche Umbauten notwendig werden.
Für Unternehmen ist das ein entscheidender Vorteil. Oft sind Investitionen in neue Maschinen der größte Bremsfaktor bei nachhaltigen Innovationen. Wenn ein neues Material jedoch mit vorhandenen Anlagen verarbeitet werden kann, sinkt das wirtschaftliche Risiko erheblich.

Der Herstellungsprozess ähnelt dabei bekannten Verfahren. Das PBS-Material wird aufgeschmolzen, mit einem Treibmittel versetzt und anschließend durch eine Extrusionsanlage verarbeitet. Während des Austritts expandiert das Material und bildet die gewünschte Schaumstruktur. Dadurch entstehen leichte, stabile Schaumfolien, die vergleichbare Eigenschaften wie bisher verwendete Polyethylen-Schäume besitzen.

Wo der biobasierte Schaumstoff zum Einsatz kommen kann

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Besonders interessant ist der Verpackungsbereich. Viele Versand- und Schutzverpackungen bestehen heute aus fossilen Kunststoffen. Der neue biobasierte Schaumstoff könnte diese Materialien ersetzen, ohne dass Hersteller ihre Abläufe grundlegend verändern müssen. Auch im Bereich von Schutz- und Transportlösungen sowie in verschiedenen Bauanwendungen sehen die Forschenden großes Potenzial.

Wer sich die Anwendung praktisch vorstellen möchte, kann an die Schaumstoffeinlagen denken, die empfindliche Elektronik während des Transports schützen. Statt eines erdölbasierten Materials könnte künftig xPBS verwendet werden. Für den Anwender würde sich kaum etwas ändern. Die Schutzfunktion bleibt erhalten, während die ökologische Bilanz verbessert wird.

Besonders interessant ist zudem die Kombination verschiedener Nachhaltigkeitsvorteile. PBS ist biobasiert, biologisch abbaubar und aufgrund seiner thermoplastischen Eigenschaften grundsätzlich recycelbar. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten für eine Kreislaufwirtschaft, die über die reine Reduktion fossiler Rohstoffe hinausgehen.

Zwischen Potenzial und Realität

Trotz aller Vorteile steht auch diese Entwicklung vor Herausforderungen. Neue Materialien müssen sich langfristig in unterschiedlichsten Anwendungen bewähren. Faktoren wie Kosten, Verfügbarkeit der Rohstoffe und die tatsächliche Skalierbarkeit entscheiden darüber, wie schnell sich eine Innovation am Markt durchsetzt.

Zudem reicht die Entwicklung eines nachhaltigen Materials allein nicht aus. Damit ein echter Wandel gelingt, müssen Unternehmen, Lieferketten und Verbraucher gleichermaßen bereit sein, neue Lösungen anzunehmen. Gerade in Märkten mit hohen Stückzahlen zählt jeder Cent Unterschied bei den Produktionskosten.

Dennoch zeigt das Projekt, wie praxisnah moderne Materialforschung inzwischen arbeitet. Statt ausschließlich auf theoretische Nachhaltigkeitsvorteile zu setzen, wurde gezielt darauf geachtet, dass die Lösung unter realistischen Industriebedingungen funktioniert. Genau dieser Ansatz könnte darüber entscheiden, ob biobasierte Materialien künftig eine Nischenrolle spielen oder zu einem neuen Standard werden.

Ein weiterer Schritt ist bereits in Arbeit. Mit dem Folgeprojekt xPBS-food soll die Technologie für Lebensmittelverpackungen weiterentwickelt werden. Ziel ist eine recyclingfähige oder biologisch abbaubare Verpackungslösung, die gleichzeitig die hohen Anforderungen der Lebensmittelbranche erfüllt. Damit könnte sich ein besonders großer Zukunftsmarkt öffnen.

Der biobasierte Schaumstoff zeigt, dass nachhaltige Innovationen nicht zwangsläufig mit teuren Umstellungen verbunden sein müssen. Wenn neue Materialien bestehende Systeme nutzen können und gleichzeitig ökologische Vorteile bieten, steigen ihre Chancen auf eine breite Anwendung erheblich. Genau darin liegt die eigentliche Stärke dieser Entwicklung: Sie macht den Wandel einfacher. Für Unternehmen, für Märkte und letztlich auch für eine ressourcenschonendere Zukunft.

Weiterführende Informationen finden Interessierte beim Anbieter: Fraunhofer IAP

61/2024 Moldsonics: Neuheit in der Kunststoffverarbeitung

Moldsonics revolutioniert die Kunststoffverarbeitung mit hochpräziser Ultraschall-Sensortechnologie. Die berührungslose Analyse optimiert Prozesse und senkt Produktionskosten. Mit maßgeschneiderten Lösungen und einem hybriden Geschäftsmodell positioniert sich das Unternehmen als innovativer Vorreiter im Bereich nachhaltiger Sensortechnologie.

Die Herstellung von Kunststoffen steht vor großen Herausforderungen: Ausschuss, ineffiziente Prozesse und hohe Kosten belasten die Branche. Das Startup hat sich zum Ziel gesetzt, diese Probleme mit fortschrittlicher Sensortechnologie zu lösen. Das österreichische Unternehmen nutzt über zwölf Jahre Forschungserfahrung, um Produktionsprozesse zu optimieren und nachhaltiger zu gestalten.

Moldsonics: Technologie für präzise Überwachung

Im Zentrum von Moldsonics‘ Erfolg steht die einzigartige Ultraschall-Sensortechnologie. Diese ermöglicht die berührungslose Überwachung von Spritzgussprozessen. „Wir können durch Material hindurchschauen und erkennen, was im Inneren passiert“, erklärt CEO Thomas Mitterlehner.

Besonders in der Kunststoffindustrie zahlt sich diese Innovation aus. Die Sensoren von Moldsonics helfen, Ausschuss zu reduzieren, Energie zu sparen und die Lebensdauer von Maschinen zu verlängern. Unternehmen profitieren durch eine höhere Qualitätssicherung und geringere Stillstandszeiten.

Hybridmodell und Wachstum

Moldsonics bietet Hardwareprodukte, Dienstleistungen und ein Pay-Per-Use-Modell an. Diese Kombination ermöglicht maßgeschneiderte Lösungen für Kunden. Mit Förderprogrammen wie dem aws Seedfinancing konnte das Unternehmen seine Technologie auf ein marktfähiges Niveau bringen.

Die Zukunftspläne sind ambitioniert: Das Startup will in neue Märkte expandieren und sich als führender Anbieter nachhaltiger Sensorlösungen etablieren. Die Nachfrage nach der Technologie ist hoch, insbesondere in Deutschland, wo rund 40 Prozent des Umsatzes generiert werden.

Weiterführende Informationen finden Interessierte bei Moldsonics

19/2022: Traceless: Das abbaubare Plastik

Plastikmüll wird zu einem immer größeren Problem. Mit einer kompostierbaren Plastikalternative könnte Traceless Materials  den Kunststoffmarkt nun revolutionieren.

Der Großteil aller jemals produzierten Kunststoffe lagert auf Mülldeponien oder schwimmt im Meer – und dieser Müllberg wird immer größer. Dem wollen Anne Lamp und Johanna Baare, die Gründerinnen von Traceless Materials, nun ein Ende setzen. Eine Welt ohne Plastik. Das ist die Vision der Gründerinnen. Mit ihrem Start-Up haben sie eine ganzheitlich nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Kunststoffen geschaffen. Eine Idee, die den Markt langfristig verändern könnte.

Was ist traceless?

Auf den ersten Blick ist das traceless Material herkömmlichem Kunststoff sehr ähnlich. Es ist diesem aber aus Umweltsicht weit überlegen. Der Stoff ist biobasiert und vollständig kompostierbar. Ein weggeworfener traceless Artikel verschwindet in 2 bis 9 Wochen spurlos. Hergestellt wird das Material aus Reststoffen der Agrarindustrie. Aus Rückständen von beispielsweise Getreide wird ein Granulat hergestellt, das dann in vielfältige Formen gebracht werden kann. Von Hartplastik bis hin zu feinen Folien und Beschichtungen ist alles möglich. Die Idee dazu ist keinesfalls neu. Bereits vor 100 Jahren wurde Plastik aus Naturstoffen wie Cellulose hergestellt. Schon bald wurde diese Vorgehensweise von der Ölindustrie verdrängt, weil die Nutzung von Erdöl in der Kunststoffproduktion sehr billig ist.

Umweltfreundliche Herstellung

Der naheliegendste Vorteil von traceless ist, dass es der Umweltverschmutzung durch Plastikmüll entgegenwirkt. Darüber hinaus werden fossile Energieträger geschont, weil kein Erdöl verarbeitet wird. Die Produktion ist außerdem auf weniger Wasser angewiesen. Traceless materials verzichtet zusätzlich auf die Nutzung von umwelt- oder gesundheitsgefährdenden Chemikalien. Trotz der Nutzung von Agrarstoffen muss es darüber hinaus keine Änderungen in der Landnutzung geben, weil sowieso vorhandene Reststoffe verwendet werden und deshalb keine Umstellung der Landwirtschaft nötig ist.

Eintritt in einen umkämpften Markt

Allgemein gibt es trotz der Umweltproblematik kaum Bemühungen gute Plastikalternativen zu finden. Grund dafür ist der stark preisgetriebene und umkämpfte Markt. Plastik ist einfach zu billig, als dass andere Ideen sich durchsetzen könnten. Bis 2030 allerdings müssen alle Kunststoffverpackungen entweder recycelbar oder wieder verwendbar werden. Deshalb ist die Nachfrage nach traceless in der Konsumgüterindustrie groß. Das Start-Up will sein Produkt zuerst für Versandverpackungen im E-Commerce Bereich einsetzen. Mit dem Versandhaus Otto haben sie bereits ihren ersten Großabnehmer. Ein erster Schritt hin zu einer großen Veränderung auf dem Kunststoffmarkt.

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